Ungeheuer

“Der Janus-Kopf des diesjährigen Festivals 
© Christian Mair

Der eine Kopf blickt also in Richtung Schöpfung und Leben, während der andere in die Zerstörung und den Tod schaut. Das Wortwiege Festival hat sich für seine aktuelle Ausgabe den Januskopf aufgesetzt und das Motto »UNGEHEUER... ist viel« umgehängt. Mit diesem Motto - abgeleitet aus dem berühmten Antigone-Zitat „Ungeheuer ist viel. Doch nichts ungeheurer als der Mensch.“ - will sich die Wortwiege der ungeheuerlichen Doppelnatur des Menschen annähern. Und ungeheuer viel steht auch auf dem Spielplan: gleich zwei monströse Gesellschaftskomödien von Qualtinger/Merz - Das Volksfest und Alles gerettet sowie Kleists Penthesilea, das musikalisch und bildgewaltige Musiktheater Troja forever sowie das zeitgenössische Musik- und Tanztheater Broke’n, das brandneue Lesetheater Die Kugel von Franz Schuh zu Karl Kraus, die Theaterserie REDEN! sowie die Salons am Sonntag mit Gästen wie Klaus Theweleit, Daniela Strigl, Florian Scheuba, Raimund Löw, Lisz Hirn, Michael Köhlmeier, Barbara Toth oder Konrad-Paul Liessmann. All diese Theaterformen fließen vom 25. Februar bis 29. März 2026 durch die historischen Kasematten Wiener Neustadts.

Kleists PENTHESILEA

Eines der gewaltigsten Werke der Theaterliteratur: Penthesilea, die Königin der Amazonen, und Griechenheld Achilles treffen und verlieben sich ineinander am ungünstigsten aller Orte – dem Schlachtfeld. Ihre persönliche Gefühlswelt stellt die rechtliche Ordnung der Gesellschaften, an deren Spitze sie stehen, wortwörtlich auf die Zerreißprobe.

Qualtinger/Merz ́ DAS VOLKSFEST

Am 12. Mai soll Herrn Reindls traurige Existenz endlich Glanz erfahren. Was undenkbar ist, machen Neugier und Sensationslust möglich: Die Hinrichtung soll zum Volksfest der Nation werden. Scharfzüngig, zutiefst böse und enorm komisch.

Qualtinger/Merz ́ ALLES GERETTET (Wiederaufnahme)

Aufgrund der großen Nachfrage und des Ungeheuerlichen, das dem Stück innewohnt, gibt es drei weitere Vorstellungen von Alles gerettet, dem existenzkomischen und tragisch-erhellenden Prozessdrama über den Ringtheaterbrand im Dezember 1881.

Penthesilea 
© Christian Mair

BROKE’N; an Odd Messiah

In einer Verschmelzung von Körpertheater, Visual Design, Tanz und Musik erzählt Nico Dorigatti in Korhan Basarans neuem Stück Broke’n als metaphorischer gefallener Engel vom Schmerz einer zerbrochenen Welt. Bewegend, aufwühlend, sprachlos.

TROJA FOREVER

Die Performance-Band Fox On Ice zeigt vor der Uraufführung in Troja/Canakkale einen Teil ihres neuen, internationalen Musiktheaterprojekts POLYXENA. Eine musikalisch-filmische Neuinterpretation des Mythos mit den Homer-Kennern Georg Danek und Michael Köhlmeier.

DIE KUGEL ist der Menschheit bei dem einen Ohr hinein und bei dem anderen hinausgegangen

Die Kugel zielt auf eine Textfassung von Franz Schuh, die den Krieg nicht nur aus der Perspektive von Karl Kraus vor Augen und Ohren führt. Anna Luca Krassnigg und Franz Schuh lesen aus den „Letzten Tagen der Menschheit.“ Dazu steht der Akkordeonist Stefan Sterzinger auf der Bühne des Lesetheaters.

Das Volksfest 
© Christian Mair

REDEN!

Schauspieler:innen beleben bedeutende historische und zeitgenössische Reden neu,
Expert:innen analysieren die Rhetorik und Hintergründe.

Im Vergleich verdeutlichen die Antrittsreden dreier sehr unterschiedlicher amerikanischer Präsidenten (Roosevelt, Kennedy, Trump) historische Entwicklungen der westlichen Welt. Das Böse Denken des Heinrich Himmler wird von der scharfen Analyse Hannah Arendts entmachtet.

SALON am Sonntag

Das zeitgenössische Update des historischen „Salons“: Anna Luca Krassnigg lädt jeden Sonntag Persönlichkeiten aus Kunst, Literatur und Wissenschaft ein, brennende Fragen der Gegenwart im Licht des Spielzeitmottos zu diskutieren.

Diesmal bereichern die Salongespräche Daniela Strigl, Klaus Theweleit, Florian Scheuba, Lisz Hirn, Peter Strasser, Jonas Grethlein, Judith Kohlenberger, Barbara Tóth, László Földenyi und Jérôme Junod.