Weltverwandlung

Pēteris Vasks gibt zum Jubiläum den Ton an
© Interlude

An Stelle von Heimat / halte ich die Verwandlungen der Welt ist ein Theaterabend auf Basis von Gedichten, Briefen und den weithin unbekannten Dramen der 1940 von Berlin nach Stockholm geflüchteten jüdischen Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs. Das Theater Nestroyhof Hamakom sich nun vom 16. April bis 23. Mai dieser außergewöhnlichen Schriftstellerin.

Ein Musiker, eine Schauspielerin, eine Tänzerin und eine Puppenspielerin durchforsten Nelly Sachs’ Leben und Werk ganz im Sinne der von ihr erträumten Form eines „Kulttheaters“, in dem verschiedene Disziplinen gemeinsam ihre poetischen Universen durchmessen.

Von Flucht und Verwandlung, Bedrohung, Tod, Liebe und Sehnsucht nach Frieden erzählt Nelly Sachs.

Benennen des Unaussprechlichen

Mit diesem Theaterabend will das Theater Nestroyhof Hamakom das Verschwinden einer gleichermaßen zerbrechlichen wie kraftvollen Person sichtbar machen, deren unvergleichliches Werk trotz Literaturnobelpreis wenig bekannt ist.

Nelly Sachs‘ Sprache ist präzise, ihr Schreiben ganz und gar originär. Im Benennen des Unaussprechlichen verleiht sie der tiefsten Dunkelheit Glanz, bringt sie ans Licht und macht sie erinner- und wandelbar.

Christian Altenburger mit Ensemble
© Robert Herbst

Das Wort an der Wurzel packen

Die Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs hat in ihren Gedichten, der dramatischen Dichtung und den wenigen veröffentlichten Prosawerken ihre ureigenste Sprache dafür gefunden, was Jüdinnen und Juden während der Nazizeit an Flucht, Exil und Tod ertragen mussten.

Erst 1940 floh sie mit ihrer Mutter von Berlin nach Schweden. Rache lehnte sie in ihrem Werk ab. Sachs wollte, wie sie sagte, das Wort an seiner Wurzel packen und es beschwörend den Erdball überziehen lassen zur Eroberung des Friedens. In späten Jahren bezeichnete sie sich selbst als "ortlos". Nicht Stockholm sei ihr Ort, nicht Berlin und nichts mehr.

Flucht und Verwandlung

In seinem Disussionsformat reden über... lädt das Hamakom zum Gespräch über "Flucht und Verwandlung” am 19. April. Patrick Rothkegel spricht mit dem Auot Aris Fiortes, der Tänzerin Adi Hanan sowie mit der Regisseurin Ingrid Lang.

Der Arnold Schoenberg Chor: langjähriger Begleiter
© Robert Herbst

Kulttheater

Nelly Sachs schrieb neben ihrer bekannteren
Lyrik zahlreiche dramatische Dichtungen.

Ihr formaler Wunsch war ein "Kulttheater", eine Theaterform, in der verschiedene Disziplinen nebeneinander gleichwertig existieren und miteinander poetische Räume und die Zwischenräume der Wörter erschließen.

Ihre Dramatik ist voll komplexer mystischer Bilder, reich und poetisch, jedoch schwer zu entschlüsseln.

Begleitend zur Aufführung richtet Katalin Pászti die Lesung von Nelly Sachs dramatischer Dichtung Nachtwache am 26. April mit Lukas Haas, Christop Radakovits und Johanna Wolff ein.